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golem in öl


nothing is faster then light zweixplusdrei
30.12.09 22:59


zum Ru(h)m

betrunken ist ja vielleicht vieles leichter zu ertragen. vielleicht ist vieles auch erst durch zu viel ru(h)m hervorgerufen. aber, wenn ich meine alten idole, in einer person: jim morisson, "entertainen" sehe, geht in mir ein fenster auf, das welches microsoft wahrscheinlich genau so oft aufgestoßen hat, jedenfalls jenes, welches ist, das zum SPRUNGe einlud. ich aber gehe einen anderen weg, hier seht ihr die assoziation, welche: Mickey Maus und Jim und Glühwein plus das dankbare medium internet this is the end ... DANKE ... heraufbeschworen haben!

G-TT war später, oder you?!
12.12.09 02:25


turn your ra.tio on

Früher wurde mir immer eingetrichtert: Geh nicht mit Fremden mit, sprich nicht mit Fremden, nimm von Fremden keine Geschenke an. Nun frage ich mich wieder einmal, nachdem ich gegenüber dem verführerischen Fremden so beinahe alles falsch gemacht habe, wie schafft es eine fremde Person sich binnen weniger Augenblicke zum Bekannten zu machen. Welche Parameter machen aus einer Variablen eine Konstante und ab wann weiß man, dass es sich nicht doch nur um eine unbekannnte Größe handelt?

A prima vista: kurzes lustvolles Abchecken und verfallen in den modus vivendi --> wo wird der heutige Abend enden?
Apikal: das Knabbern am Bierglas und das Vortasten, das verheißt, was diese Zungenspitze an gewissen Stellen des eigenen Körpers entfesseln könnte.
Apotheke: Um vier Uhr morgens an die Verhütung denken.
A priori: Frühstück im Café auf der anderen Straßenseite.
A posteiori: Alles richtig gemacht, ER fragt nach einem zweiten date.

FAZIT: Konstanten sind relativ, wenn der Rest es auch ist.

30.10.09 23:13


König Milchbart

Ganz gleich wie haarig auch der Morgen ist
Mein Frühstück kann man nicht verderben
unrasiert der Vater schaut noch Schlafes trunken, angepisst
An ihm klebt noch mein Alb samt Schluchzen da wie spitze Scherben
Ich seh’ ihm an, wie sehr er seinen Schlaf vermisst
Dagegen ich: lasse mich von diesem Unanblick nicht stören
Löffle seelenruhig milchig Korn plus Obst plus Kernen
Schlürfe, Kaue, trink‘, vernehme: Mutters Stimme röhren
Hinter mir steht sie, ich kann ihr Gähnen hören
Die Schleusen knirschten. Abenteuer brach aus allen Fernen.

Ich schlürfe, kaue, trinke wach und furchtlos weiter
Der Anblick meiner Eltern umfängt mich sicher, ach Geborgenheit
Von meinem Lächeln werden sie bestimmt recht balde wieder heiter
Die Küche klingt im Takt der Uhr. Klebrig, zäh ist Morgenzeit.
Die Mutter grüßt nochmal, Morgen sagt er, knirscht er, schreit er
Ich löffle, schlürfe, kaue, trinke, ach wie süß ich das hier finde,
Vor Freude puste ich in meine Schüssel, ich kann schließlich nicht ahnen
In ihrer Ausgelaugtheit geben Paps und Mam’ ein Bild für Blinde
So schnell woll’n sie sicherlich kein zweites Kinde
Überm Kanal, den junge Ausfahrtswinde wellten, wuchsen helle Bahnen.

Die Müslischüssel übern Rand des Tisches fliegt und stürzt zur Erde
Der Vater kratzt sich erst den Kopf danach die kalte Nase
Sohn, schreit er, was machste da, du sollst doch essen und nicht, merde
Frau, Kehrblech, Besen und den Lappen hole, schnell nun mach’ schon, rase
Ich sehe zu, dass nichts passiert und ich zum Herrn der Lage werde
Mutter fliegt, ich hingegen halte hoch in beiden Händen mein Besteck
Bespiegel meinen Milchbart, denke nur, was kann ich daraus lernen
Die Eltern springen, wenn ich will, herum in einem Dreieck
Die Zepter werfe ich zum Brei, bin jetzt ihr König, als auch Geck
In deren Licht ich trieb, Schicksal stand wartend in umwehten Sternen.

Der Schaden und das Ungemach sind dank Mutter rasch vergessen
Nach Anleitung wischt sie, während ich bereits in Vaters starken Armen ruh’
Die Mutter meinem Vater deutet, dass ich fast schlafe, ganz versessen
Nickt sie ihm zu und gibt ihm Zeichen, ich merke nur, dass mir die Augen fallen zu
dass ich jetzt schlafe, müde von der Nacht und satt vom frühen Essen
Bettet mich der Vater in den Kissen, legt sich daneben und schläft ein
Als auch die Mutter kommt geschlichen, glaubt sie sich zu mahnen
Warum da liegen Spross und Mann, Seit’ an Seit’ in Frieden
Es ist ihr Glück, für das sie sich vor fast drei Jahren hat entschieden.
In meinem Herzen lag ein Stürmen wie von aufgerollten Fahnen.
25.8.09 21:06


2x+3 ___*> nicole bienert

2x+3


GOTT – WORT – WELT (Harry Mulisch)


Das größte Rätsel sind Worte und als ihnen zuinnerst Buchstaben, die von den meisten benutzt, am Wenigsten als solches wahrgenommen werden. Was hält sie zusammen, wonach folgt einer dem anderen?

Der Philosoph, der tritt herein, und beweist Euch, es müsst so sein: Das Erst wär so, das Zweite so, und drum das Dritt und Vierte so, und wenn das Erst und Zweit nicht wär, das Dritt und Viert wär nimmermehr. (Johann Wolfgang von Goethe)


Etwas leicht Nachvollziehbares: Die Beziehung zwischen den ersten fünf natürlichen Zahlen: 1, 2, 3, 4, 5. 1+4=5=2+3. Oder f(x)=x+(x+3)=(2x+3)=(x+1)+(x+2). x, x+1, x+2, x+3, 2x+3. Lösungsmenge = 1.

Auf die Frage: mit welcher Funktion kann man die Vokale a, e, i, o, u aus dem ABC ableiten? Eine Antwort: 2x+3. a folgt aus L, e aus A, i aus C, o aus F und u aus I; wenn A=1, 27; B=2, 28; C=3, 29 und so weiter ist. a, e, i, o, u folgen aus L, A, C, F, I. Resumée: c’était FACIL, ALFIC, FALCI.

So einfach wie möglich. Aber nicht einfacher! (Albert Einstein)


Ein weiteres Beispiel das Licht in das dunkle Geheimnis um Buchstaben und Licht bringt ist die Frage nach dem Verhältnis zwischen den Buchstaben E, M, C aus der Formel E=mc². Die Lösung liegt nahe: 2x+3, denn E ist der fünfte Buchstabe im Alphabet. Daher folgt 2*5+3=13. Der 13. Buchstabe im Alphabet ist das M. 2*13+3=29. Analog dem oben Festgelegten: C=3, 29; da nach Z=26 weitergerechnet wird mit A, B, C, also 27, 28, 29. Daraus folgt 29=C. Dies bedeutet E wird in 2x+3 zu M wird in 2x+3 zu C. EMC.

„Das Q ist der geheimnisvollste aller Buchstaben, dieser Kreis mit dem Strich, eine Eizelle, in die eine Spermie eindringt.“ (Harry Mulisch)


Ein letztes Beispiel soll am Anfang stehen. Die Basen A, G, C, T mit den Zahlenwerten 1, 7, 3, 20 werden mit 2x+3 auf 5, 17, 9, 43 also E, Q, I, Q abgebildet: EQ und IQ. Oder EI und QQ.

Jedes Denken wird dadurch gefördert, dass es in einem bestimmten Augenblick sich nicht mehr mit Erdachtem abgeben darf, sondern durch die Wirklichkeit hindurch muss. (Albert Einstein)
5.5.06 13:49


4l 2a 2e 2f 2k 2r

KFLEA
LKERL
FARL


Wenn die liebe sich erschöpft, bin ich frei von ihr
Frei von Freud, singe keine LIEDER mehr
Bin bereit fürs Sterbebett, sinke nieder in die Pein
Bringe, springe, falle leise, leide auf der einsam’n Reise
Bin so völlig ohne sie, ganz ALLEIN.

Sehe ich sie in der ferne, gebrochen wie ein Strohhalm klein
Geht mir der mund auf wie das herz, vor mitgefühl und trauer, NEIN
Mein atem fließt mir auf die faust
Mein schmerz schießt in ihren anblick
In ihre seligkeit, in ihre frohlockende Einsamkeit

Kein zweifel bleibt, sie war die eine, vom Sockel bis zum haupte
Von jetzt auf gleich sind sie und die geschicht geschichte
Und während ich hier sitz’ und dichte
Ist sie rot schmelzende vergangenheit
27.4.09 19:37


vom F A L K E N flüstern

Zuckend wie ein Flügelschlagen

Schlägt die Faust und zuckt mein Aug’

Trau’ ich mich kaum den Blick zu wagen

Schmecke süß, das Blut ich saug

Durch Nebel, Schmerz und Wut hör’ ich ihn sagen

“Sollte dies das Ende sein, so hoffe ich

Die Geschicht’ kommt nicht zu Ruhme

Wir sind so dumm und jämmerlich

Ich wollt’ ich niemals kannte dich

Ich wollt ich wäre eine Blume”

 

 

Ob der Tragik des Geschehens muss ich daher lachen

Die Süße dieses Ansinnens ist all zu offensichtlich

als hinter mir ich hör’ die Tür ins Schlosse krachen

ob er das war, bestimmt, ja, sicherlich

Wenn er die Blume ist, bin ich der Drachen

Hätte ihn zur Zierde mir noch an den langen Schwanz gehangen

So dass da schmölze das zarte, keimende Verlangen

nach einem Leben so ganz ohne mich

so das er nur noch sehnt und wünschte sich:

du kämest still gegangen”

 

Wenn sich dieser stille Traum

dann heimlich nachts aufschwingt

hilft wahrlich nichts bis kaum

bis dass das Hoffen doch gelingt

als sich zu bammeln an den nächsten Baum

denn anders als er meine ich hier auch

das Glück zu Lebzeiten sowie das ewiglich posthume

Ich bin mir sicher ihn beschleicht jetzt das Gefühl im Bauch

und er entleert sich in dem nächst geleg’nen Strauch

“nähmest mich zum eigentume”

 

Es kommt wegen des Flügelschlagens

die Geschicht’ zur bittren Wende

es bleiben Sehnsucht, bange Fragen

und zum Gebet gefalt’te Hände

nach sehr vereinzelt auch mal schönen Tagen

frage ich mich, wie wär’ es uns denn nur ergangen

wären wir dem Spiritus sanctus angehangen

und nicht ausschließlich dem Spiritus viscerum

unser blütenzartes Schicksal lag darum

in d e i n e Hand gefangen

 

27.4.09 19:47


BERLIN in VATERstadt und MUTTERsprache

BERLIN

 VATERstadt und MUTTERsprache

Als das goldene Kind Berlin das erste Mal nach seinem Vater fragte, zog die Mutter es zu sich ans Herz, drückte es sanft und schaute ihm in die Augen. „Wir werden deinen Vater suchen. Er hat für dich in der ganzen Stadt Zeichen hinterlassen, damit du auf all deinen Wegen sicher und geborgen spielen gehen kannst. Wie man diese Zeichen liest und deutet, bringe ich dir, als deine Mutter, bei. Ich lehre dich meine Sprache.“ Die Mutter kleidete ihr Kind in warme Sachen aus kuscheligem Plüsch, umwickelte den Hals mit Schal und setzte eine Mütze auf den Kopf und Handschuhe an die immer noch sehr kleinen, mittlerweile doch aber sehr flinken und geschickten Hände. Es war mittlerweile der fünfte Winter, seit dem das Kleine geboren ward. Sie selbst schmiss sich in einen weißen Mantel mit Kragen aus Lammfell, auf dem vereinzelte Gebrauchsspuren zu finden waren, die sich allesamt wie die bizarre Zeichnung einer vielleicht (Vater-)Stadtkarte annahmen. Die beiden hatten nach ungefähr zehn Minuten, im gemächlich voran, dafür aber immer wieder Haken schlagenden Schritt des Kindes, die erste Straßenecke von der gemeinsamen Wohnung erreicht, als die Mutter ihr Kind erst in die Hand, dann auf den linken Arm nahm und mit ihm die Augen gen Himmel hob, als es just dicke Flocken zu schneien begann. Die Schneedecke senkte sich in Zeitlupe. So segelten einzelne Flocken langsam auf den Mantel der Mutter und schmolzen relativ schnell und unnachhaltig zu kleinen Wassertröpfchen zusammen. Sie hob ihr Kind mit beiden Armen in die Höhe und hielt mit ihrem Blick den ihres Kindes fest. Als alsbald eine besonders schöne Flocke auf einem der Nasenflügel ihres Kindes landete und dort liegen blieb, senkte sie die Arme und stellte das Kind wieder auf die Erde. Sie nahm mit dem rechten Zeigefinder die Flocke von der Nase, hielt sie Berlin hin und sagte, das ist ein ganz, ganz kleiner Teil, der deinen Vater ausmacht. Er schickt dir jedes Jahr, mal früher, mal später einen Gruß aus dem Himmel und nennt jeden einzelnen von ihnen „Flocke“. Die Flocke verflüssigte sich unter der warmen Berührung der Mutterhand und perlte von dem Finger auf das Straßenpflaster. Die erste Lektion war beendet und sie kehrten beide wieder Heim, um ihre Kleidung auszuschütteln und über die warme Heizung zu hängen. Die Mutter ordnete das Haar des Kindes, das ganz verwuschelt unter der Mütze war, als sie diese abnahm. Sie stupste noch einmal mit dem rechten Zeigefinger auf den Nasenflügel und lächelte dazu. Das Kind Berlin wiederholte die Handlung mit der Hand seiner Herzseite und lächelte zunächst, zufrieden mit dem Erlebten, zurück. Die beide kehrten hungrig von ihrem kleinen Ausflug heim. Daher tischte die Mutter beiden in weißen Porzellanschälchen jeweils eine Portion mit Zucker garnierter Getreideflocken auf. Mutter und Berlin setzten sich gegenüber an den Küchentisch und löffelten entspannt die in der Milch schwimmenden, langsam weich werdenden Cerelialien auf. Es war eine alltägliche Prozedur, nach dem Spaziergang Cornflakes zu essen, doch heute hing noch Lektion zwei in Sachen Vaterstadt mit daran. Die Mutter griff zur Cornflakespackung, hielt sie ihrem Sprössling hin und bat, er möge sich eine Flocke herausnehmen. Berlin (be-)griff beherzt in die Packung, so dass man es krachen und knacken hören konnte unter dem mörsernden Griff des Kleinkindes. Doch als er die Hand herauszog, hielt er eine herzförmige Flocke in selbiger, legte sie zwischen Mutter und sich und schaute sie fragend an. „Das mein Kind schickt dir das Land. Jede einzelne Flocke ist ein Gruß deines Vaters an dich. Er nennt sie, wie du weißt, (Corn-)Flakes.“ Knapp eine Woche verging, bevor Berlin die Mutter am Samstagmorgen auf die Idee ansprach, mehr über den Vater zu erfahren. Dies tat er in der noch ungeschliffenen Sprache eines kleinen Kindes, die ungefähr zum Ausdruck brachte: „Ich will mehr wissen. Wo ist nun der Vater. Bei den anderen Kindern sitzt der Papa auf der Couch oder spielt mit ihnen auf dem Spielplatz.“ Die Mutter antwortete daraufhin, indem sie sich auf die Höhe ihres Schützlings kniete, um ihm dabei besser in die Augen sehen zu können: „Mein liebes Kind, die anderen Väter sind, was eine einzelne Flocke in einem Schneesturm ist oder ein einziger Flake in einer Cornflakesfabrik. Doch dein Vater, ist so groß, er ist (d)eine Vaterstadt. Er ist der Schnee als Ganzes. Er ist wie eine Schale randvoll mit Getreideflocken. Aber, ziehen wir uns an und sehen wir, ob wir weitere Spuren finden.“ Sie verließen die Wohnung und die Mutter nahm ihren Sprössling an die Hand, als sie die Treppen hinab stiegen. Dieses Mal verließen sie nicht einmal das Haus, sondern klingelten beim Nachbarn im ersten Stock. Die Mutter las seinen Namen vor, der dem Kind natürlich schon bekannt war. Der Name auf dem Klingelschild lautete auf Smith. Herr Smith öffnete die Tür und sagte in einem merkwürdigen Dialekt zur Begrüßung: „Hello friends, zum five o’clock tea ist es zwar noch zu früh. But you come right in time for ham and eggs and some good English rolls with plum and jam.“ Berlin schaute zu seiner Mutter auf und verzog die Augenbraue zu einer Art fragendem Nike-Zeichen. Er war sehr neugierig darauf, was dort in der Wohnung so herrlich duftete. Herr Smith trat bei Seite und ließ die beiden eintreten. Die Wohnung zu beschreiben, ist nicht einfach. Sie war von einem ganz besonderen Charakter. Alles in der Wohnung schien mit einer inneren Geschichte ausgestattet. So konnte Herr Smith zu fast jedem Stück etwas beitragen. Bis er Mutter und Kind in das Esszimmer bat. Dort lagen in einem Brotkorb lecker duftende Röllchen aus Brötchenteig. Als die beiden Platz genommen hatten, holte Herr Smith eine Pfanne, in der knusprige Speckstreifen brutzelten und in einer extra Schale mit Deckel brachte er reinweißes Rührei. Das Kind Berlin oder „you, kid“, wie Herr Smith es ansprach, war neben seiner Dankbarkeit für die gelungene Frühstücksüberraschung auch voller Fragen, was die Mutter ihm mit diesem Besuch näher bringen wollte. Nach dem Frühstück halfen noch alle, das benutzte Geschirr sowie Marmeladengläser und andere Sachen in die Küche zu tragen und verabschiedeten sich bis auf weiteres. Man würde sich auf jeden Fall über den Weg laufen. Herr Smith kniete noch einmal nieder, um Berlin viel Glück bei der Mission zu wünschen und zog symbolisch den Hut vor dem Kind, eine Geste, die Berlin noch nicht richtig verstand, aber auch nicht weiter hinterfragte. Wieder in der eigenen Wohnung angelangt, steuerten die beiden direkt in die eigene Küche. Berlin setzte sich auf seinen Stuhl, während die Mutter Wasser für Kinderkaffee und Cappuccino aufbrühte. Solange das Wasser langsam lauter sprudelte und dann wieder etwas leiser, bis der Schalter ausrastete und die Mutter die Getränke zubereiten konnte, klopfte Berlin mit dem Finger rhythmisch auf den Tisch und wischelte ein wenig Staub und Kaffeekrümel hin- und her. Dann setzte sich die Mutter, stellte aber die Getränke zum Abkühlen noch etwas an die entfernte Seite des Tisches. Die Mutter sah auf ihr Kind und wartete darauf, dass es das Gespräch beginnen würde. Dies dauerte nicht lange. „Mama, was haben nun Herr Smith und der Vater gemeinsam.“ Die Mutter nahm die zwei Tassen und rührte abwechselnd in der einen, dann in der anderen. Sie pustete sanft, so dass Figuren aus Dampf daraus aufstiegen, die an Wolken erinnerten. „Ich sage dir, nach dem, was wir in der letzten Woche herausgefunden haben, ist Herr Smith oder Mister Smith ein Schlüssel zum Verständnis und letzten Endes zum Auffinden deines Vaters. Jedoch, vielmehr als Herr Schmidt an sich, oder Entschuldigung, Mister Smith, ist es die Sprache, die er spricht, seine Muttersprache. Und, um den Kreis in der Sache rund zu machen, - die Mutter holte ein Buch mit DVD hervor, in dem in allen Sprachen der Welt jeweils die zehn wichtigsten Sätze wie Begrüßung und Danke sowie die Zahlen von 1 bis 20 gesprochen wurden hervor - gibt es diverse andere Muttersprachen, so wie es andere Mütter gibt und jede spricht in einer Mutter- oder Landessprache und zusätzlich in einem heimischen Dialekt und noch einmal zusätzlich in ihrer ganz eigenen Art und Weise, mit der sie die Worte interpretiert und anwendet. Und, obgleich das so ist, gibt es zwei alles vereinnahmende Sprachen, die des Herzens und die des Verstandes. Und das sind die, die ich dich lehre, damit du …?“ „Auf allen Wegen sicher und geborgen spielen gehen kann“, vollendete Berlin den Satz. Berlin grübelte nicht über die Lektionen. Er ließ sie viel mehr ins Unterbewusstsein abgleiten und dort gedeihen, um sie zur richtigen Zeit wieder heraufzubeschwören. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass die Mutter ihrem Kind erst zur Einschulung und zum ersten erlernten Buchstaben, dem „S“, den nächsten Hinweis gab. Sie kochte, als er ungefähr nach einem Monat Schule zum Mittag nach Hause kam, eine Suppe. Die Suppe bestand aus Nudeln, die aus Buchstaben und Zahlen waren und natürlich Hühnerbrühe und Gemüse. Berlin sortierte einzelne Buchstaben, die er schon kannte an den Tellerrand und drehte sie hin und her, bis ein Wort entstand. Auf dem Tellerrand lag in buchstabenförmigem Nudelteig das Wort „Schnee“. Die Mutter freute sich und legte auf ihren Tellerrand mehrere sternchenförmige Nudeln und das Wort „Flake“. Sie zeigte es ihrem Kind und dieses las das Wort vor. Berlin war sehr gut in der Schule und kannte eigentlich auch schon mit fünf alle Buchstaben und konnte leichte Worte auch schon lesen. Dank dem Unterricht im bilingualen Kindergarten fiel es Berlin auch nicht schwer, das Wort „lake“ zu lesen, als die Mutter das „F“ auf der Fingerspitze balancierend in den Mund nahm und aß. Ein weiteres halbes Jahr später, das zweite Semester der ersten Klasse hatte begonnen und ein neues Fach war hinzugekommen: Heimatkunde. In dem Unterricht malten die Kinder Bilder von heimischen Tierarten und lernten Dinge über die Stadt Berlin. Als die Mutter eines Abends gemeinsam mit ihrem Kind den Ranzen packte und noch einmal die Hausaufgaben kontrollierte, fand sie ein mit Buntstiften ausgemaltes Bild eines Falkenvogels. Sie bekam große Runde Augen und bat Berlin, sich näher zu ihr zu setzen und ihr zu erzählen, was es mit der Zeichnung auf sich hätte und was sie über den Vogel gelernt hätten. Das Kind ging zu seiner Tischschreibtafel hinüber und legte mit Magneten das Wort Falke auf die Oberfläche. Dann erzählte und erklärte es, dass der Falkenvogel ein einheimisches Tier sei, das in Türmen lebte und teilweise zur Jagd auf Tauben eingesetzt würde. Die Mutter war so stolz, dass sie ihr Kind sanft drückte und ihm ins Ohr flüsterte, dass das Rätsel nun schon fast gelöst sei. Als Berlin am nächsten Morgen aufstand, stand auf dem Tisch nicht mehr das Wort „Falke“, sondern die Buchstaben waren zu dem Wort „Flake“ vertauscht und die Mutter bat doch nun aufzustehen und zum Samstagsfrühstück zu kommen. Es gab die typischen Getreideflocken mit Zucker. „Was hältst du davon, wenn wir die Omartina heute besuchen gingen. Ich glaube die freut sich ganz besonders auf uns und würde auch gerne hören, was du alles in der Schule gelernt hast.“ Berlin stimmte zu und strahlte bei der Vorstellung mit der Oma auf der Dachterrasse zu sitzen, ihr alle Neuigkeiten zu erzählen und die Menschen im Park in allen ihm zur Verfügung stehenden Sprachen numerisch zu zählen, auch wenn bei zwanzig immer wieder Schluss sein würde. Bei der Oma angelangt, teilte diese ihre Freude mit einer großzügigen Umarmung mit. Auf der Terrasse war tatsächlich schon alles zum Kaffee eingedeckt und die Geranien in den Blumenkästen bildeten einen herrlichen, bunten Rahmen für die Szene. Die kleine Familie setzte sich und kam ins plaudern. Vorne weg erzählte Berlin immer etwas Neues aus der Schule und kommentiert und diskutiert wurde gemeinsam. Bis Berlins Mutter ihre Mutter, die Oma von Berlin bat: „Du, sag doch bitte, wie heißt noch einmal der Platz auf den wir hier so schön blicken können?“ „Du meinst den Falkplatz?“ Berlin bekam rote Ohren bei dem Wort und begann noch einmal von Turm- und Taubenfalken zu erzählen.

11.3.09 21:46


sah Schwan Falke

sah Schwan Falke

Dieses kleine Märchen beginnt mit einem Ei. Genau gesagt mit Zweien, einem Schwanen- und einem Falkenei, das macht zwei Ei’. Er, der Falke, war schon geschlüpft, da war an das Schwänchen mit dem Federschwänzchen noch nicht einmal zu denken. Zu Hause war der Falke in einem Horst, deswegen nannte man ihn auch Horst , Horst Z, da es kurz vor seinem Schlüpfen in Mode kam, dass man seine Küken nach dem Ort der Zeugung benennt. Z ist WEIch und schön. Zurück zum Schwänchen, dass war anders, das war hässlich, aber dennoch verlässlich. Das heißt: es schlüpfte pünktlich auf die Sekunde, als erstes seiner sieben Schergen. Man benannte es nach Schnee, Schnée, weil es mit dem ersten Schnee des Jahres auf die Welt kam, Schnée, weil es geboren ward. Ungewöhnlich, aber so war es. Schön, das wird sich klären, wie das Wetter nach einem Schnee-Sturm. So geschah es, dass beide fernab und ohne von einander zu wissen, heranwuchsen, Horst Z im Horst seiner Eltern von einem weichen Federbündel wohl genährt von Mama Falke und ab und zu belehrt vom Vater Falke zu einem klugen und Schnée von einem grauen Stecken zu einem jugendlichen Vogel. Horst der Falke, der für andere immer der komische, für Schnée aber bald der kosmische Gefährte sein sollte, schloss sein Abitur in der Vogelsekundarstufe II befriedigend ab, so wie er alles befriedigend machte. Entgegen der Befriedigung von Schnées Eltern verlor sie, kurz bevor sie in Vogeljahren ihren 18. Geburtstag feiern wollte, die gerade Flugbahn aus den Augen. Und hier geht die Geschichte in eine entscheidende Runde. Schnée war von einer Nacht auf den folgenden Tag in einem schneeweißglitzernden Federkleid erwacht, sie stand auf, entknitterte dieses am Rand des Sees, auf dem sie im Schilf nächtigte, von Schlaf und Resten von Entengrütze und traute ihren Augen klein kaum, als sie das Funkeln im Wasser sah. Sie kneisterte ein Wenig die Äuglein und vergewisserte sich ihres Spiegelbildes, indem sie mit dem rechten Patschefuß ins Wasser stieg. Kleine Ringe, die sich in konzentrisch größer werdenden Kreisen von ihrem Fuß wegbewegten, warfen ein so gleißendes Lichtbündel an den Himmel, das der darüber fliegende Horst, vom Quantenpaket am Auge getroffen zu Boden kreiselte. Die Wasserfläche beruhigte sich und Schnée sah in ihrer Reflektion den hernieder stürzenden Falken. Die Zeit schien relativ stehen geblieben, denn das Stürzen kam ihr vor wie der freie Fall einer Schneeflocke in virtuos tänzelnder Manier. Vor allem langsam. Der Falke fiel nicht, er glitt aus dem Himmel über in des Sees Oberfläche wie ein Schlittschuhläufer auf dem Eis in ein Wasserloch, mit dem er nicht gerechnet hätte. Schnée Die beiden sahen sich an sich an, aber sie sahen nicht nur ihre beiden Vogelkörper, bestehend aus Keulen und Federn und Flügeln. Es überkam beide Appetit. Sie sahen sich tiefer an und Schnée fragte Horst: „Hast du Etwas?“ Horst antwortete: „Hunger?“ Sie flatterte zu ihm hinüber und hielt mit dem hochroten Schnäbelchen Horsts Keulchen hin. Er zuckte zusammen. Ihr lief ein wohliger Schauer über den Rücken. Das lag am Schnee, der zu rieseln begann. Horst dagegen wurde sich seiner misslichen Lage bewusst, dass er nämlich als Falke gar nicht schwimmen kann und ging unter. Merkwürdigerweise erkannte Schnée die Situation sofort, dass er keinen Ring zwischen den Zehen trug nämlich und diese Krallen und keine Schwimmhäute aufwiesen, verliebte sich sofort in dieser Situation und rettete ihm das Leben, indem sie unter Horst tauchte und dann mit ihm am Bein auf. Sie legte ihn behutsam auf den Sand am Strand, klaubte an der Ufernabe das Schilf zusammen, aus dem sie gekrochen ward und stopfte es unter Horsts zittrigen Rumpf. Sie rollte ihn auf die Seite, um ihm ein weiches Moosstück unter den Kopf zu legen und Horst dachte: ‚Glück gehabt! Gerade noch mal der Ewigkeit auf die Füße getreten .’ ‚Glück gehabt! Ein Netter4 und der ist direkt in mein Herz getreten4.’, dachte Schnée. Von retten4 sprach hier Nie Niemand Nirgends, die konnte aber in dieser Nacht wie Nichts und Etwas noch keiner hören. Es war leise. Schnee legte sich sanft, EE; leiser, E. Horsts Augen flackerten erst vor Kälte, dann weil er nicht glauben konnte, was er sah, als er sich vergewisserte, dass er nicht auf dem Boden des Sees ruhte. Schnée küsste seine glänzenden Augen, die wie schwarze Stricknadelköpfe rechts und links seinen Kopf zierten. Blinzel, Blick. Horst drehte seinen Kopf auf dem Heubett hin und her. Schnée legte sich mit ausgebreiteten Flügeln über ihn, wärmte ihn, überdachte ihn. ‚Fast zu schön für einen Schwan. Er kommt bestimmt aus dem Süden, so herrlich golden sein Gefieder glänzt, er muss von ganz besonderer Art sein.’ Blinzel, Blick, blinzel, beäugte sie ihn. Blinzel, Blick, blinzel versuchte er seines Bewusstseins Herr zu werden. Schnée handelte intuitiv richtig, sie verkannte zwar immer noch den Ernst der Lage, aber Horst war in der Situation, sich ihrer Hilfe anzunehmen. Seine Gedanken brüteten im Fieber der zahlreichen Augenblicke. Das „S T R O H B E A U S C O P E“- artige Gewitter in seinem Kopf erleichterten nicht gerade die Entspannung und das zu sich kommen. Horst kämpfte wirklich. Durch das vom kalten Wasser klebrige Gefieder fühlte er schon Etwas. Aber der Weg zurück zu Bewusstsein und Verstand war noch umnebelt von der klirrenden Kälte des S(chn)ees. Schnée begann ihn zu drücken und stieß mit dem Schnabel sanft auf seinen Brustkorb, der sich schwach hob und senkte, dahinter hörte sie sein Herz schlagen. Für sie? Sie war nicht die, die sich Sorgen machte. Ihr war klar wie es hätte ausgehen können. Einfach aufhören zu schlagen. Vielleicht auch gleich gar nicht mehr schießen, Kriege abschaffen. Sie flatterte kurz und aufgeregt mit den Flügeln, gebärdete sich in ihrer Pracht und legte sich dann sanft und leise wieder über Horst. Horst Der Tag bekam Nacht, die Sterne eroberten das Feld Himmel, Horst bekam langsam Temperatur und temptation eroberte Schnée. Bei diesem Durcheinander fiel das Wetter nicht weiter ins Gewicht, bis die Schnée-Decke zu drücken begann. Könnte das die schiefe Bahn sein, ein pubertierender Schwan, der drückt. Sicherlich Interpretationssache und Anlass zu möglichen Gesprächen bis in die Puppen. Gans gleich schnatterte sie plötzlich los, Horst riss die Füße hoch, die Augen auf, er war gerettet, der Schleier des Träumers lüftete sich unter Schnées wohliger Umarmung und der Falke erkannte sich im Purpur Schnées Augen. Über den beiden taute das Wetter und Daunen aus ihren Unterkleidern segelten durch die Luft. Diese flirte. Te, te, te atmeten die beiden Vögel. Das Eis zwischen Ihnen begann zu schmelzen. Der Winter zog sich zurück. Ihre Äugelein ruhten im Blick des Anderen. Schnäbelnd, schnatternd, schniefend schlang Horst die schwachen Flügelchen. Die Zeichen des in ihn zurückkehrenden Lebens regten sich. Zwischen den Strohhalmen begehrten die ersten zarten Pflänzchen an die Luft. Um dem Lager explodierten die Farben, die explodierten um dem Lager. Auf dem Lager: Stille. Was war da? Die beiden wichen auseinander. Verhalten lachten sie sich an. Umarmten sich, drückten ihre Bäuche aneinander, klapperten mit den Schnäbeln. Freude machte sich breit, der Baum, unter dem sie hockten, schoss Blüten durch die Luft, ein Apfel fiel ins Nest. Die erste Mahlzeit, die sie zusammen einnahmen. Bei Horst und Schnée war was geschlüpft: Nie, Niemand, Nirgends, Nichts und Etwas. Schnée freute sich, fühlte sich, als sie die Küken sah gleich ins Gestern zurückversetzt. Horst nahm Schnée und die Brut unter seine Fittiche. Sie zogen um ans Meer mit Felsen. Ihre neue Adresse lautet: WWW.ür.de.

8.10.07 17:51





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